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Sonntag, 20 Mai 2012

Ascii und die Hunde

Am Donnerstag trafen wir uns zu einem kleinen, privaten Begegnungstraining mit Josephine und Tarig. Ascii reagiert sehr stark auf Rhodesian Ridgebacks und sein Erregungsniveau ist bei diesem Hundetyp immer sehr hoch, was leider auch oft dazu führt, dass man 33 tobende Kilo in der Leine hängen hat und sich nur noch mit Mühe am Boden halten kann. Leider merke ich das noch einen Tag später in den Schultern…

Dieses Video beweist, dass wir ein ganz, überdimensional großes Stück weiter sind. Es lief die ganze Zeit so entspannt wie auf dem Video und wie man deutlich sehen kann, hat Ascii Tarig sehr wohl wahrgenommen.

Selbst ein unangeleinter Rhodesian Ridgeback Rüde, der plötzlich mit seinem Halter auf der Wiese erschien, hat Ascii nicht aus der Ruhe gebracht. Er konnte sich freiwillig abwenden und sich mit mir ein Stück entfernen. Das war vor zwei Monaten noch undenkbar, vor allem bei diesen Distanzen.

Butter bei die Fische

Ascii beim Lauerspiel

Positives Markersignal

Wie sind wir soweit gekommen… ganz ehrlich, mit einem positiven Markersignal. Ich habe vor ein paar Monaten, es müsste Mitte Februar gewesen sein, ein neues positives Markersignal bei Ascii aufgebaut und dieses sofort mit den verschiedensten Verstärkern verknüpft.

Belohnungen benennen

Im zweiten Schritt habe ich den Belohnungen Namen gegeben – von Spielzeug hetzen über Zergeln bis Schnüffeln wurde alles benannt, denn so habe ich einige effektive Verhaltensunterbrecher, falls ihn sein positives Markersignal nicht rumreißen kann und ich den Blickkontakt zu den Auslösern (in dem Fall meist Hunde) unterbrechen will. Ganz nebenbei wird Distanz zum anderen Hund oder anderen Auslösern aufbauen, auch noch schön und lohnenswert gestaltet.

Umorientierung und Rückruf

In dieser Zeit habe ich gleich noch eine neue Umorientierung aufgebaut, die schon nach wenigen Tagen sehr gut funktioniert hat dank neuem positiven Markersignal und vielen verschiedenen Verstärkern. Der doppelte Rückruf mit und ohne Pfeife wurde damit auch nochmal aufgewertet, aber darauf konnte ich mich schon immer sehr gut verlassen.

Click for Blick

Mit Hilfe von Zeigen&Benennen konnte ich ihn schon auf große Distanzen auf herannahende Hunde aufmerksam machen, ansonsten folgten wir der Devise Click for Blick. Ein Interessanter Beitrag zum Thema Click for Blick von Mirjam Aulbach.

Geschirrgriff

Für den Fall, dass Ascii doch tobend in der Leine steht oder ich ihn sichern muss, falls es mal eng wird, haben wir den Geschirrgriff aufgebaut. Lesenswerter Artikel dazu im Blog von Anne Rosengrün.

Diese Werkzeuge habe ich dann ganz fröhlich miteinander kombiniert, so wie es für die verschiedensten Situationen eben nötig war.

Rahmenbedingungen

Mitte März wurde er kastriert, was sich sehr positiv auf sein Stresslevel außerhalb der Wohnung ausgewirkt und damit die Rahmenbedingungen für das Training enorm verbessert hat. Er wird seit wenigen Wochen zusätzlich mit Leventa substituiert, da seine T4-Werte im Schilddrüsenprofil unterhalb des Referenzwertes lagen.

Trainingsaufwand

Gemeinsam Rennen als Belohnung

Im Großen und Ganzen habe ich gar nicht so viel Zeit in das Training gesteckt – effektiv vielleicht max. 2,5h pro Woche und das meist in den frühen Morgenstunden in unserem Wald, dort trifft man dann einige Jogger, Radfahrer und immer ein paar Hunde. Ansonsten waren wir in weitläufigen und fast leeren Gebieten Gassi ohne Hundekontakt, bei denen kaum etwas passierte und wir nur sehr wenig bis gar nicht trainiert haben.

Mit den Einzelrunden habe ich Mitte Februar begonnen auf dem Höhepunkt der Leinenaggression und weil ich festgestellt habe, dass mein Freund allein damit nicht zurecht kommt. Zu viel zum Thema Zeit und Effektivität. ;-) Und ganz ehrlich, dafür musste ich ja noch nicht mal viele Signale oder Werkzeuge aufbauen…

 

Verhalten hat immer eine Funktion

Gemeinsam stark!

Und das alles haben Ascii und ich geschafft mit Signalen und Werkzeugen, die positiv aufgebaut wurden. Ich brauche kein Abbruchsignal, was den Hund hemmt oder Meideverhalten auslöst. Ich muss Ascii auch nicht zeigen, dass sein Verhalten falsch und unangebracht ist – er kann damit sowieso nichts anfangen und unsere Kategorien, die Verhalten in “richtig” oder “falsch” einsortieren, spielen für ihn sowieso keine Rolle.

Das Verhalten, was er gezeigt hat, hatte eine Funktion. Daran ändern auch unsere menschlichen Befindlichkeiten und Schmerzen in meiner Schulter nichts.

Ich habe versucht, Ascii einen Weg aufzuzeigen und für ihn begehbar zu machen, in ein neues für ihn funktionales Verhalten, was der Umwelt keine Angst mehr macht, meine Schulter schont, Ascii mehr Freiheiten gibt und – ganz wichtig – sein Leben noch ein Stück weit lebenswerter macht.

 

Beenden möchte ich den Blogeintrag mit einem Zitat von Ute Blaschke-Berthold, der ich sehr dankbar dafür bin, dass sie diesen Weg für mich begehbar gemacht hat:

Wer sagt, dass zuverlässiges Verhalten bei diesem oder jenem Hund nicht ohne Strafe erreichbar ist, sagt nichts über den Hund aus, sondern beschreibt erst einmal seine eigenen Fähigkeiten. Ute Blaschke-Berthold

 

Ein super Team *zwinker*

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Ulrike Seumel

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