#4: Martina Flocken – Wenn Hunde plötzlich aggressiv werden

Dein Hund regt sich plötzlich auf und er scheint für dich unberechenbar? Das macht er doch sonst nicht!

Martina Flocken hat in ihrer Praxis für Physiotherapie bereits viele Hunde kennengelernt, die plötzlich aggressives Verhalten gezeigt haben. Wenn auch Trainer*innen an ihre Grenzen stoßen, solltest du einen genaueren Blick auf die Gesundheit deines Hundes werfen. Wenn dein Hund Verhaltensweisen zeigt, die du dir nicht erklären kannst, können Probleme mit dem Bewegungsapparat oder andere körperliche Beschwerden die Ursache sein.

Wie du diese Probleme erkennst und deinem Hund helfen kannst, erklärt in dieser Folge die Hundephysiotherapeutin Martina Flocken.

Weiterführende Links zur Episode:

Was schwierige Hundebegegnungen mit körperlichen Beschwerden zu tun haben

Spaziergänge mit deinem Hund sind für gewöhnlich entspannt. Doch seit kurzer Zeit ist dein Hund angespannter als sonst. Du weißt nicht warum. Er bellt fremde Hunde an, knurrt und springt in die Leine. Das hat er noch nie gemacht! Du bist überrascht, denn du kennst dieses Verhalten nicht von deinem Hund. Du wunderst dich, aber dein Hund ist eben schon älter. Im Alter werden viele Hunde störrisch und unleidlich.

Gerade bei Hundebegegnungen spielt der Körper eine große Rolle. Dein Hund bewegt sich viel, denn er möchte mit dem anderen Hund kommunizieren. Begegnungen mit anderen Hunden sind mit viel Bewegung verbunden und wenn dein Hund Schmerzen hat, dann wird ihm das schwer fallen. Körpersprache ist wichtig für Kommunikation. Wenn dein Hund Schmerzen hat, kann dies zu Problemen in seiner Körpersprache führen und er wird vom anderen Hund missverstanden oder er wird einfach unleidlich reagieren.

Dein Hund kann dir nicht sagen, dass er Schmerzen hat

Das Anbellen anderer Hunde oder andere Verhaltensprobleme müssen nichts mit Schmerzen zu tun haben. Wenn sich das Verhalten deines Hundes plötzlich verändert, kann das ein Anzeichen sein, dass etwas körperlich nicht stimmt. Wenn dein Hund sonst nie andere Hunde anbellt und plötzlich ändert sich das, gibt es dafür einen Grund. Es ist wie bei uns Menschen. Wenn du dir einen Nerv im Rücken eingeklemmt hast, bist du deutlich gereizter als sonst. Der Schmerz wirkt sich auf deine Stimmung aus, denn Körper und Seele hängen eng zusammen. Bei deinem Hund ist es genauso. Tut ihm etwas weh, fühlt er sich unwohl und zeigt dies mit einem veränderten Verhalten. Er kann dir nicht mit Worten sagen, was ihm weh tut.

Lesetipp: Was tun, wenn der Hund knurrt

Diese körperlichen Beschwerden solltest du im Blick haben

Es gibt eine Vielzahl an möglichen organischen Ursachen:

  • Schilddrüse
  • Nieren
  • Leber
  • Herz
  • Lunge
  • Bauchspeicheldrüse
  • Milz
  • Magen & Verdauungsapparat
  • Infektionskrankheiten wie u. a. Borreliose, Babesiose, Leishmaniose, Parvovirose, Leptospirose oder Staupe
  • Tumore
  • Neurologische Erkrankungen

Oft übersehen werden auch:

  • Zahnschmerzen oder Zahnprobleme

Neben organischen Ursachen kann auch der Bewegungsapparat deines Hundes betroffen sein. Dein Hund muss aber nicht zwangsläufig humpeln. Gerade bei chronischen Krankheiten ist es oft ein schleichender Prozess und dein Hund zeigt es nicht eindeutig. Es geht im Alltag unter und fällt dir nicht auf.

Im Bewegungsapparat treten häufig folgende Probleme auf:

  • Verspannungen & Blockaden
  • Arthrosen
  • Spondylose
  • Hüftdysplasie (HD)
  • Ellenbogendysplasie (ED)
  • Cauda-equina-Kompressions-Syndrom
  • Patellaluxation
  • Osteochondrosis dissecans (OCD)

Bei jungen Hunden tritt oft eine OCD (Osteochondrosis dissecans – „Entwicklungsstörung im Skelett“) in der Schulter zwischen dem vierten und neunten Lebensmonat auf. Bei Jack Russell Terrier bzw. kleinen Hunden kommt eine Patellaluxation häufig vor. Diese Hunde laufen unter Umständen oft auf nur drei Beinen, schütteln eines oder beide Hinterbeine und humpeln. Du denkst vielleicht, dass dieses Verhalten rassetypisch von den Jack Russell Terriern ist und stufst es als normal ein. Sicher ist jedoch, dass sie dabei tatsächliche Knieprobleme haben.

Die oben genannten Auflistungen sind längst nicht vollständig. Um auf der sicheren Seite zu sein, empfehlen wir dir in jedem Fall eine Tierärzt*in aufzusuchen, wenn du Anzeichen bei deinem Hund erkannt hast.

Darauf kannst du bei deinem Hund achten

Wenn dein Hund folgende Symptome zeigt, ist das ein Anzeichen dafür, dass du mit ihm  eine Tierärzt*in aufsuchen solltest.

Dein Hund…

  • ist an bestimmten Stellen berührungsempfindlich, zuckt zusammen oder guckt bei deiner Berührung nach hinten.
  • knabbert an seinen Gelenken. Das hat nichts mit Körperhygiene zu tun, sondern ist ein Indiz auf Arthrose.
  • zeigt eine Steifbeinigkeit beispielsweise beim Aufstehen.
  • vermeidet Bewegungen und beim Hinlegen seufzt bzw. stöhnt er kurz auf.
  • hat Veränderungen im Gesicht: Seine Lefzen sind ein Stück nach hinten gezogen, seine Stirn wirkt angespannt oder er hat Ränder unter den Augen.
  • vermeidet Sprungbewegungen, z. B. der Sprung ins Auto, obwohl er bislang keine Probleme damit hatte.
  • zeigt Auffälligkeiten in Bewegungen, zum Beispiel sein Rücken ist steif und aufgezogen.
  • ist unruhig, rastlos und ändert häufig seine Liegeposition.
  • benötigt ein vermehrtes Ruhebedürfnis. Er schläft noch mehr als gewöhnlich.
  • hat keine Lust auf Spazieren gehen und bleibt lieber liegen.
  • zeigt verändertes Sozialverhalten gegenüber Menschen und Hunden. Er hat Angst, ist unsicher oder aggressiv in bestimmten Situationen, obwohl das vorher nie der Fall war.
  • hat auf einmal keinen Spaß mehr an Dingen, die er vorher total gerne gemacht hat.
  • hechelt, schmatzt oder gähnt häufiger. Schmerz ist eine Form von Stress. Wenn dein Hund häufiger gähnt, versucht er damit seinen Stress abzubauen.
  • zeigt plötzlich Angstverhalten! Angst und Schmerzen sind äußerlich nicht zu unterscheiden.

Das sind Anzeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Du solltest unbedingt ausschließen, dass die Ursache dafür körperliche Beschwerden sind.

Der Hund simuliert doch nur!

Hunde simulieren nie. Sie täuschen nichts vor. Jede Form von Schmerzen oder Unwohlsein bedeutet für deinen Hund, Schwäche zu zeigen. Deswegen zeigt dein Hund erst sehr spät, dass es ihm schlecht geht. Wenn das Unwohlsein deines Hundes sichtbar für dich wird, solltest du deinen Hund ernst nehmen. Bleib ruhig und gerate nicht in Panik. Schaue genauer hin und lasse deinen Hund sicherheitshalber einmal von einer Tierärzt*in bzw. einer Hundephysiotherapeut*in untersuchen.

Eine Geschichte aus der Praxis von Hundephysiotherapeutin Martina Flocken

Ein Patient von Martina war ein älterer Hund. Er hat nach seinen Familienmitgliedern geschnappt, war mit anderen Hunden weniger verträglich und unberechenbar. Bei Spaziergängen wichen seine Menschen stets mit ihm aus, wenn andere Hunde ihren Weg kreuzten. Sie nahmen sein Verhalten als solches hin, lebten damit und brachten es nicht mit einer körperlichen Ursache in Verbindung. Sie kamen in Martinas Praxis, um einen allgemeinen Check durchführen zu lassen. Martina fand dabei heraus, dass der Hund am Rücken extrem empfindlich war. Sie schickte sie zu einem Tierarzt, welcher eine schwere Spondylose diagnostizierte. Der Hund wurde über eine längere Zeit behandelt und physiotherapeutisch begleitet. Nach einiger Zeit veränderte sich auch sein Verhalten und er wurde viel entspannter.

Lesetipp: Wie du das Aggressionsverhalten bei Hunden veränderst

So kannst du deine Beobachtungsgabe verbessern

Du brauchst dir keine Sorgen zu machen, dass du etwas übersiehst. Dein Hund kann auch einen schlechten Tag haben, sich unwohl fühlen und sich deshalb zurückziehen. Das ist normal. Grundsätzlich empfiehlt Martina, sich mit den klassischen Anzeichen von Schmerzgeschehen, sowohl akut als auch chronisch, vertraut zu machen. Doch bitte diagnostiziere nicht selbstständig oder doktere einfach so herum. Das ist Aufgabe der Tierärzt*in und der Hundephysiotherapeut*in. Setze dich damit auseinander, wie dein Hund dir zeigt, dass er sich schlecht fühlt. Auch wenn dein Hund sich gesund und normal bewegt, kannst du präventiv aktiv werden. Wenn du mit deinem Hund Bewegungstraining (Hundesport, Gymnastik) machst, wirst du einen viel besseren Blick dafür haben, wie es deinem Hund geht und wie sich seine Bewegungsabläufe verändern.

Prävention mit dem Onlinekurs “HappyMove” von Martina Flocken

Der „HappyMove“ Onlinekurs von Martina Flocken sorgt dafür, …

  • dass dein Hund eine bessere Balance entwickelt.
  • dass dein Hund ein besseres Körpergefühl bekommt.
  • dass dein Hund seine Koordination verbessert.

Dein Hund bekommt ein gutes Gefühl für seinen Körper. Wenn sich dein Hund richtig bewegt, ist er weniger anfälliger für Gelenkprobleme und Verletzungen. Hat dein Hund eine gute Balance und ein gutes Körpergefühl, bewegt er sich im Alltag viel sicherer. Auch das beugt Unfällen und Verletzungen vor. Du lernst in Onlinekurs “HappyMove” gemeinsam mit deinem Hund Alltagsbewegungen korrekt durchzuführen und wie normale Bewegungsabläufe funktionieren. Du sorgst dafür, dass er sicher durchs Leben läuft und sich vernünftig bewegen kann. Selbst bei einem gesunden Hund kannst du nach vier bis sechs Wochen deutliche Verbesserungen in den Bewegungen wahrnehmen. Außerdem schulst und sensibilisierst du deinen Blick, um Auffälligkeiten im Bewegungsablauf frühzeitig zu erkennen, um deinem Hund Schmerzen zu ersparen. Der Onlinekurs bietet dir ein gesunde Beschäftigungsmöglichkeit, bei der dein Hund und du gemeinsam Spaß habt. Die Übungen aus dem Onlinekurs kannst du jeden Tag für wenige Minuten leicht in deinen Alltag integrieren.

Hier kommst du zum Onlinekurs „HappyMove“!

Dein Hund zeigt ungewöhnliches Verhalten. Was du jetzt tun solltest.

Das Erkennen eines auffälligen Verhaltens ist der erste Schritt. Durch deine trainierte Beobachtungsgabe kannst du viel leichter erkennen, wenn sich dein Hund ungewöhnlich verhält oder bewegt. Konsultiere eine Tierärzt*in und lasse einen Geriatrie-Check durchführen. Du kannst deinen Hund auch zusätzlich einer Hundephysiotherapeut*in oder Hundeosteopath*in vorstellen. Auch wenn dein Hund keine sichtbaren Auffälligkeiten zeigt, ist ein regelmäßiger Besuch bei einer Hundephysiotherapeut*in ratsam. Wenn dein Hund eine Diagnose erhalten hat, wird er durch eine Tierärzt*in und gegebenenfalls zusätzlich durch eine Hundephysiotherapeut*in behandelt. Wenn dein Hund auffälliges Verhalten zeigt, ist es ratsam, zusätzlich eine Hundetrainer*in hinzuzuziehen. Die Strategien deines Hundes haben sich im Laufe der Zeit verfestigt, sodass Training am Verhalten notwendig ist.

Lesetipp: Was du wissen musst, um Verhalten bei deinem Hund zu verändern

So findest du die richtige Hundephysiotherapeut*in!

Leider gibt es keine zentrale Anlaufstelle, um wirklich gute Therapeut*innen herauszufiltern. Martina rät darauf zu achten, dass die Therapeut*in eine Ausbildung mit einem hohen Praxisanteil abgeschlossen hat. Dies kannst du während der Anamnese herausfinden. Die Therapeut*in tastet deinen Hund ab und untersucht ihn. Bei der Auswahl der Therapie sollte eine große Vielfalt geboten werden. Eine reine Gerätetherapie ist nicht ratsam, sondern sollte durch aktives Bewegungstraining ergänzt werden. Sehr wichtig ist, dass du mit eingebunden wirst. Regelmäßige Hausaufgaben unterstützen dich dabei, dass du am Ball bleibst. Die Übungseinheiten zu Hause sollten zwischen fünf und zehn Minuten lang sein. Du solltest sie einfach und leicht in deinen Alltag integrieren können und dafür wenig Equipment brauchen. Zwang und Druck hat bei der Physiotherapie oder bei den Übungen zu Hause nichts zu suchen.

Welche Informationen deine Hundephysiotherapeut*in von dir braucht

Für deine Hundephysiotherapeut*in ist nicht nur das Abtasten, das Anschauen deines Hundes oder die Röntgen- bzw. MRT-Aufnahmen wichtig. Sie braucht Informationen von dir. Du lebst mit deinem Hund zusammen und kennst ihn und seine Bewegungen am besten.

Alles, was dir im Alltag auffällt, ist wichtig. Dazu zählen auch Kleinigkeiten. Liegt dein Hund nur noch auf der linken Seite und meidet die rechte Seite konsequent? Mag er plötzlich kein Treppenlaufen mehr oder zögert er, bevor er losläuft? Spielt dein Hund auf einmal nicht mehr, wenn er seinen besten Hundefreund trifft, sondern fängt an zu knurren? Mache dir Notizen oder führe sogar ein Tagebuch, damit du es nicht vergisst und Zusammenhänge erkennen kannst.

Als Tagebuch kannst du unser Dog Journal nutzen. Außerdem kannst du darin jeden Tag die tollen Momente mit deinem Hund notieren und sorgst dafür, dass du dich nicht nur auf die Probleme fokussierst. Bestelle dir jetzt dein Dog Journal, um noch diese Woche zu starten!

Wie du Problemen vorbeugen kannst

Die beste Vorbeugung ist eine gute Beobachtungsgabe und Wissen über Bewegungsabläufe. Wenn du weißt, wie dein Hund sich bewegen sollte, kannst du ihn mit Bewegungstraining unterstützen und schnell erkennen, wenn etwas nicht mehr gut läuft. Im Onlinekurs “HappyMove” lernst du diese Grundlagen, um deinen Hund bis ins hohe Alter fit zu halten. Hier findest du alle Onlinekurse von Martina Flocken. Sie bietet auch spezielle Kurse für Hunde mit Hüft-, Rücken- und Ellenbogenproblemen und mit Arthrosen an.

Wenn du Auffälligkeiten im Bewegungsablauf oder im Verhalten wahrnimmst, dann notiere dir diese in einem Tagebuch. Damit verschaffst du dir einen besseren Überblick und vergisst diese Informationen beim nächsten Besuch in der Tierarztpraxis nicht.

Wenn du mit deinem Hund sportlich aktiv bist, achte auf ein Warm-up und ein Cool-down, um die Verletzungsgefahr zu reduzieren. Achte auf eine ausgewogene Ernährung bei deinem Hund, damit er alle Nährstoffe bekommt, die er braucht. Zu häufiges Treppenlaufen solltest du bei deinem Hund vermeiden, da dabei Gelenkprobleme entstehen können.

Fazit

Zeigt dein Hund plötzlich auffälliges Verhalten, sollte dein erster Gedanke sein: Ich lasse meinen Hund körperlich durchchecken.

Wenn dein Hund körperlich gesund ist, kannst du immer noch zu einer Hundetrainer*in gehen, um am Verhalten zu trainieren. Aber wenn du zuerst an dem Verhalten deines Hundes arbeitest, obwohl die Ursache körperliche Beschwerden sein könnte, wirst du sehr wahrscheinlich keinen Erfolg haben.

Dein Hund simuliert niemals. Nimm deinen Hund ernst, wenn du Anzeichen wahrnimmst, dass es ihm schlecht geht. Packe deinen Hund aber auch nicht in Watte. Lebt euren Alltag und genießt die Zeit zusammen. Eine stärkere Achtsamkeit schenkt dir ein glückliches und zufriedenes Zusammenleben mit deinem Hund.

 

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